Foto: Stefan Hahn

Henkel Leitung liegt in der DNA

Nils Henkel

Nur wenige Familienunternehmen schaffen es so weit wie Carl Henkel. Als Nachfolger in fünfter Generation des Korbacher Ideenfachgeschäfts kehrte Nils Henkel 2021 in die Heimat zurück und trat seitdem in die Geschäftsführung ein. Im Interview erzählt Nils von diesem Nachfolgeprozess und den Details, die den Unterschied zu einem erfolgreichen Management ausmachen können.


Von Paula Miranda-Stracke
Foto: Stefan Hahn

Ich bin: stellvertretender Geschäftsführer

Ich bin: stellvertretender Geschäftsführer

Lieber Nils, du hast in Aachen einen Bachelor of Science in Betriebswirtschaft abgeschlossen und bist mit neuen Ideen in die Heimat zurückgekehrt. Wann warst du dir sicher, dass du das Familienunternehmen weiterführen willst?

Dessen war ich mir quasi schon immer sicher. Mit der Zeit ist nur klarer geworden, dass mir Selbstverwirklichung und eigene Entscheidungen zu treffen viel wichtiger sind als alles andere. Naturgemäß gab es auch Erwartungen von meiner Familie, aber es war mir immer freigestellt, was ich machen wollte. Nachdem ich eine Verkaufsleiterausbildung in unserem Familienunternehmen abgeschlossen hatte, wurde ich Handelsassistent. Bevor ich diesen Karriereweg weiter gegangen bin, habe ich in der großen weiten Welt Entscheidungsfindung betrieben, um etwas anderes zu sehen und über den Tellerrand zu blicken. Dabei wächst man und lernt ein paar Dinge, die einem zu Hause nicht beigebracht werden. Als ich zurückkam, habe ich das Wirtschaftsstudium absolviert und mich auf Logistikoptimierung, Consulting und auch Entrepreneurship spezialisiert. Wegen Corona bin ich etwas früher nach Hause gekommen. Da alle MitarbeiterInnen in Kurzarbeit waren, hat in dieser Zeit meine ganze Familie mit angepackt. Außerdem ist eine Mitarbeiterin in Rente gegangen und eine andere schwanger geworden und ich konnte somit diese zwei Stellen mitbesetzen.

 

Seit 2021 bist du in der Geschäftsführung der Carl Henkel GmbH. Wie sieht mittlerweile dein Alltag dort aus?

Mein Tagesablauf beginnt, wenn ich morgens den Laden aufmache. Damit der Tag reibungslos abläuft, braucht man eine gewisse Grundorganisation und Struktur. Also koordiniere ich, dass jeder eine klare Aufgabe hat und auch der Lagerbestand auf dem neuesten Stand ist. Ich versuche frischen Wind in Form von neuen Ideen einzubringen. Tatsächlich mache ich auch ein bisschen von allem: vom Einkauf über Kalkulation, Wareneingang, Kontrollen usw. Ich kümmere mich um das Marketing, um Zeitungsartikel und rechtliche Fragen. Ich bin für technische Dinge zuständig und habe auch neue Bestellsysteme eingeführt. Es wird nie langweilig.

 

Du hast auch Erfahrungen im Ausland gesammelt und ein halbes Jahr in Schweden verbracht. Konntest du schon einiges deines neu Erlernten in die Praxis umsetzen?

Das neu Erlernte habe ich eigentlich aus dem Studium mitgenommen, aber ich würde sagen, dass man nur ca. 10 % davon braucht. Ich habe gelernt, wie man sich Wissen aneignet und wie man mit Problemen umgeht. Während meines Auslandssemesters konnte ich vor allem persönliche Kompetenzen entwickeln. Ich habe mit 60 Studenten aus der ganzen Welt zusammen gelebt. Im Vordergrund standen viel Kommunikation, Kultur und Sprache. Davon habe ich auch bereits viel in der Praxis angewandt.

 

Als Nachfolger in fünfter Generation hat deine Familie bestimmt einige Generationenkonflikte erlebt. Kannst du uns ein paar Lektionen mitteilen, die du gelernt hast?

Wir harmonieren eigentlich ganz gut und reden sehr viel miteinander. Auch die Mittagspause und den Feierabend verbringen wir oft zusammen. Mit der Zeit habe ich gelernt, Konflikte möglichst direkt zu lösen. Es ist sicher nicht meine Stärke, aber es bringt nichts Probleme aufzuschieben. Sie lösen sich nicht von selbst. Man sollte sich gegenseitig achten, sowie Werte und Meinungen der anderen akzeptieren. Außerdem ist niemand perfekt und jeder reagiert anders auf Kritik. In unserer Situation muss man einfach miteinander klarkommen. Sonst hätte ich mich auch nicht dazu entschlossen, den Laden weiterzuführen.

 

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der sich seinen Ruf im Unternehmen der Eltern aufbauen möchte?

Der Aufbau eines guten Rufs ist recht vielschichtig. Im Unternehmen der Eltern wird der Ruf durch das eigene Handeln geprägt. Was man tut, wie man es tut und wie man miteinander umgeht, ist sehr wichtig. Insbesondere im Familienunternehmen. Bei uns arbeiten die meisten MitarbeiterInnen bis zur Rente. Gewinn und Umsatz sind zwar wichtig, aber die Menschen sind viel wichtiger. Gut durchdachte und vor allem akzeptierbare Ideen mitzubringen, spielt eine entscheidende Rolle. 

Mein Motto ist: Machen ist wie Wollen, nur krasser. Viele sagen, „ich könnte das machen“, aber „könnte“ bringt nichts. Man muss derjenige sein, der es auch anpackt.

Foto: Stefan Hahn

Nils Henkel

Jahrgang 1993
Ausgebildet wurde ich als Handelsassistent bei uns im Unternehmen
Studiert habe ich Betriebswirtschaftslehre in Aachen
Aktuell arbeite ich als stellvertretender Geschäftsführer
Meine Heimat ist Korbach
Meine Zuhause ist Korbach
Meine Lieblingsorte in Waldeck-Frankenberg sind der Diemel- und Edersee sowie die bergige Region rund um Willingen
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